#2025-0018

Puzzleteil
#2025-0018 Katja

„Ich bin eigentlich relativ langweilig und habe nichts Spannendes zu erzählen!“ – Diesen Satz hören wir oft, wenn unsere Teilnehmenden beginnen, sich selbst zu beschreiben.

Doch im Laufe des Gesprächs wird schnell klar: Die meisten leiden unter gnadenloser Selbstunterschätzung. Denn kein Mensch ist langweilig! Auch nicht unsere Teilnehmerin Katja. Schon als sie sich uns vorstellt, steht für uns schnell fest: Diese Frau hat schon einiges erreicht in ihren 50 Lebensjahren. Glücklich verheiratet, Mutter zweier „sehr gelungener“ Töchter, Abitur, FSJ in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und ein Studium der Sonderpädagogik – all das sind Meilensteine, auf die man mehr als stolz sein kann.

In ihrer beruflichen Karriere wagte sie sogar noch mal einen Neuanfang:
„Ich würde mich als einen sehr offenen Menschen bezeichnen. Nach zwanzig Jahren an einer Schule für Kinder mit Unterstützungsbedarf Geistige Entwicklung habe ich vor fünf Jahren in die Inklusion an eine Grund- und Hauptschule gewechselt. Die Vielfalt dort beeindruckt mich jeden Tag aufs Neue. Ich liebe meine Arbeit und habe den Wechsel nie bereut. Ich lerne jeden Tag von den verschiedenen Kulturen. Der Schulalltag ist nicht immer leicht, aber auch sehr bereichernd.“

Aber das ist noch lange nicht alles:

Zusammen mit Freunden gründete sie ein wohltätiges Projekt am anderen Ende der Welt und unterstützt damit eine der ärmsten Volksgruppen in Nepal, die Chepang. Ziel des Projektes ist es, benachteiligten Menschen, insbesondere Frauen und Mädchen, aus der Armut zu helfen. Um das zu erreichen, werden vielfältige Maßnahmen mit der Bevölkerung vor Ort erarbeitet: Zugang zu Bildung und Medizin, Einkommenssicherung für die Familien, tägliche Schulspeisung, Einrichtung von Kindergärten, Bauen von Schulen und Gesundheitsstationen.

Wenn es nach Katja geht, gehört neben Humor, Toleranz und Respekt auch Vielfalt zu den erstrebenswerten Attributen eines intakten Miteinanders:

„Vielfalt ist für mich eine bunte Gesellschaft, in der unterschiedliche Herkunft, Glaube, Geschlechter, Kleidung und vieles mehr nicht als Gefahr sondern als Chance gesehen wird.“

Insbesondere in ihrem Beruf als Lehrerin an einer inklusiven Schule erfährt Katja täglich, was Vielfalt bedeutet. Hier treffen nicht nur unterschiedliche Kulturen aufeinander, auch bestreiten Kinder mit psychischen und physischen Beeinträchtigungen zusammen mit unbeeinträchtigten Kindern ihren Schultag.

Bei unserem Kennenlernen berichtete uns Katja von einer berührenden Erfahrung: Sie durfte eine für sie ganz besondere Schülerin von der Einschulung bis zu ihrem Abschluss begleiten. Diese hatte es nicht leicht, benötigte von Anfang an zusätzliche Unterstützung und lag weit hinter den anderen zurück. Doch sie gab nicht auf, meisterte sämtliche Hürden (darunter auch die fordernde Corona-Zeit) mit außerordentlichem Ehrgeiz und einer bemerkenswerten Beharrlichkeit. Katja war jeden Tag aufs Neue beeindruckt von so einer Stärke:

„Sie hätte so viele Gründe gehabt, den Kopf in den Sand zu stecken. Doch sie tat es nicht und kämpfte für sich selbst, bis sie ihren Abschluss in der Tasche hatte. Ich muss gestehen, dass ich bei der Zeugnisübergabe schon das eine oder andere Tränchen verdrückt habe.“

Warum Katja mit ihrer Geschichte gern eines unserer BE THE COLOR-Puzzleteile werden wollte?

„Die politische Entwicklung macht mir Angst und ich will zeigen, dass ich für eine vielfältige Gesellschaft stehe. Ich erhoffe mir, dass aus einem allgemeinen Schweigen ein mehrheitliches Aufstehen wird.“

Katjas Wunsch ist es, „den vielen Menschen (die so ‚langweilig‘ sind wie ich) Mut zu machen, für eine offene Gesellschaft einzustehen, sich auf Neues einzulassen, sich auf eine sensible Sprache einzustellen und nicht immer alles so weiterzumachen, nur weil ‚es schon immer so war‘.“

 

Danke, Katja, nicht nur für deine wertvolle Arbeit als Lehrerin, sondern auch für deinen Mut, aufzustehen, dich zu positionieren und andere mitreißen zu wollen! <3 

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