#2025-0019

Puzzleteil
#2025-0019 Tina & Renate

Neu anzufangen erfordert Mut. In eine andere Stadt zu ziehen, sich ein eigenes Unternehmen aufzubauen und sich als Paar selbstständig zu machen, ohne genau wissen zu können, wohin der Weg einen führt – das allein ist ein riesiger Schritt ins Ungewisse. Seinem Herzen zu folgen ist immer der richtige Weg, aber auch stets mit Risiko verbunden.

Als Frau jedoch muss man sich bei diesem sowieso schon mutigen Vorhaben mit noch mehr Hindernissen herumschlagen: abschätzige Blicke, Bevormundungen, unterschätzte Kompetenz. Doch Tina und Renate aus Berlin konnte all das nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

„Wir sind verheiratet, queer, zwei Frauen, die sich lieben und gemeinsam ein Unternehmen führen. Menschen mit Unternehmergeist, Haltung und Sinn für guten Kaffee.
Wir lieben Zahlen, Design, Technik, ehrliche Gespräche und glauben an das Potenzial von Sichtbarkeit. Unsere Queerness gehört zu uns, aber sie definiert uns nicht allein. Wichtig ist uns, dass Sichtbarkeit Normalität wird. Und dass wir zeigen: Es geht auch anders – mit Haltung, Respekt und einem Miteinander auf Augenhöhe.“

Als wir die beiden besucht haben, waren wir im Gespräch direkt beeindruckt, wie viel sie auf dem Kasten haben: Ihr Wissen über Kaffee als Pflanze, den Röstprozess, die unterschiedlichen Aromen und Zubereitungsarten und und und - ist schier endlos. Zudem merkte man sofort: Sie brennen für Ihren Job, ihr Unternehmen und füreinander.

Umso schockierter und verständnisloser waren wir, als Tina und Renate uns von ihren negativen Erfahrungen berichteten:

„Wir haben erlebt, dass wir als Frauen in bestimmten Situationen nicht ernst genommen wurden. Solche alltäglichen Formen von Diskriminierung begegnen uns immer wieder – mal offener, mal versteckt. Solche Situationen hallen nach. Wir haben uns im Nachgang geärgert, hinterfragt und an uns gezweifelt.“

Doch genau das darf nicht sein!

„Wir sind der Meinung, dass in einer Gesellschaft Vielfalt und Gleichberechtigung nicht erklärt werden müssen, sondern selbstverständlich sind.“

Was genau ist euch denn am aller wichtigsten als Basis für ein funktionierendes Miteinander, haben wir Tina und Renate gefragt.

Akzeptanz. Respekt. Offenheit. Dass Menschen so sein dürfen, wie sie sind. Ohne sich erklären oder rechtfertigen zu müssen. Wir glauben an ein gemeinsames Miteinander, das zuhört, Unterschiede nicht bewertet, sondern bereichert. Und wir finden: Vielfalt beginnt im Kopf und wächst mit jedem Gespräch auf Augenhöhe.“

Womit wir beim entscheidenden Aspekt wären: Vielfalt!

Denn es ist so viel mehr als ein inzwischen inflationär genutztes Trendwort. Es ist der Farbsprenkel, der die Menschheit bunt und interessant macht. Die Eigenschaft, die dafür sorgt, dass wir nicht alle gleich sind und dass jeder seine spannenden Facetten mit sich bringt.

Auch unser Teilnehmerinnen-Paar verbindet mit Vielfalt Großes:

„Vielfalt sichtbar zu machen ist wichtig – gerade außerhalb von Großstädten. Darüber hinaus bedeutet es für uns, sichtbar sein dürfen, so wie wir sind. Im Alltag erleben wir Vielfalt in Begegnungen: wenn wir mit Menschen arbeiten, die unterschiedlich denken, leben, lieben und dabei offen füreinander sind. Es ist für uns kein Label, sondern eine Haltung. Eine, die Raum schafft – für Respekt, für Perspektiven, für Veränderung.“

Kurz bevor wir uns von den beiden verabschiedeten, haben wir gefragt, warum sie ein Teil von BE THE COLOR sein möchten. Und ihre Antwort hat uns sehr gerührt und bedeutet uns total viel: Sie können durch uns gemeinsam sichtbar sein. Nicht nur als queeres Paar, sondern auch als Gründerinnen ihrer eigenen Rösterei.

„Es bedeutet, den eigenen Platz nicht nur einzufordern, sondern ihn auch mit Farbe, Wärme und Klarheit zu füllen. Wir möchten zeigen, dass Identität nicht einengt, sondern verbindet. Und dass Vielfalt kein Schlagwort ist, sondern gelebter Alltag.“

Abschließen möchten wir dieses Puzzleteil mit einer Message der beiden Frauen, die sich insbesondere Personen in einer ähnlichen Lebenssituation zu Herzen nehmen sollen:

„Such dir Menschen, die dir gut tun und die dich bereichern. Tausche dich aus und lass dir den Raum, den du brauchst!“

 

Danke, Tina und Renate, dass ihr euch als unser erstes (queeres) Pärchen traut, ins Scheinwerferlicht zu treten! Ihr zeigt nicht nur, was ihr beide für eine starke Einheit seid, sondern auch, wie unabdingbar Gleichberechtigung und Vielfalt für uns alle sind! <3

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