#2026-0021

Puzzleteil
#2025-0021 Jules und Victoria / Polizeidirektion Braunschweig

Wusstet ihr eigentlich, dass es bei der Polizeidirektion Braunschweig eine eigene LSBTIQ-Anlaufstelle gibt?
Nein?
Wir auch nicht, bis wir bei einem Vortrag zum Thema Hasskriminalität Jules und Vici kennenlernen durften. Die beiden sind seit mehreren Jahren als Polizeikräfte tätig und fungieren zusätzlich als Ansprechpersonen für alle Belange, die direkt oder auch indirekt mit Queerness zu tun haben. Jules und Vici erklären ihre Aufgaben so:

„Wir stehen innerbehördlich bei allen Angelegenheiten mit einem queeren Bezug beratend zur Verfügung. Sei es bei Fragen zum respektvollen Umgang, bei der Einsatzplanung oder anderen gefahren-abwehrrechtlichen oder strafprozessualen Maßnahmen. Hierzu führen wir auch verschiedene Fortbildungsveranstaltungen durch. Wir begleiten aber auch Kolleg*innen bei dem eigenen Coming-Out, bieten eine vertrauliche Beratung an und werden natürlich auch bei Problemen miteinbezogen.“

Aber auch für die allgemeine Bevölkerung sind sie ein wichtiger Anlaufpunkt:

„Wir sind eine Anlaufstelle für alle Menschen der queeren Community und darüber hinaus. Wir unterstützen Opfer von queerfeindlicher Hasskriminalität und können hierzu in das polizeiliche Ermittlungsverfahren miteinbezogen werden. Wir wollen damit einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zur Polizei gewährleisten, sodass mehr Menschen queerfeindliche Straftaten anzeigen. Um das Vertrauen der queeren Community in die Polizei zu stärken, sind wir auf unterschiedlichen Veranstaltungen sichtbar vertreten, verteilen Info-Flyer, sind auf Social Media aktiv und bieten Workshops an.“

Doch den beiden liegt auch abseits der Dienstkleidung viel am Thema Vielfalt. Jules ist nicht binär und verwendet für sich die Pronomen dey/demm. Dey beschreibt sich selbst als empathischer und aktiver Mensch, der seine Freizeit gern in den Boulderhallen der Region verbringt. Vici hingegen verwendet die Pronomen sie/ihr, sieht sich als sehr offene und herzliche Person und bereist abseits der Arbeit gern die Welt.

„Besonders wichtig sind uns unsere geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung. Da wir beide schon Diskriminierung in unserem Leben erfahren haben, ist dies eine große Motivation, ein solches Amt auszuführen und einen Teil dazu beitragen zu können, anderen Menschen diese Erfahrung zu ersparen.“

Neben Menschenwürde, Empathie und Haltung zeigen ist Vielfalt ein essenzieller Wert, der in ihrem Alltag einen hohen Stellenwert einnimmt.

„Es bedeutet für uns, dass Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit gesehen und respektiert werden. Sie ist die Grundlage für Gerechtigkeit und Zusammenhalt. Unterschiedliche Perspektiven sind eine Stärke unserer Gesellschaft. Vielfalt zu leben ist nicht abstrakt, sondern zeigt sich im Alltag. Darin, wie du Menschen begegnest, wessen Stimme du ernst nimmst und wofür du einstehst.“

Warum es so wichtig ist, dass sich insbesondere die Polizei für Vielfalt und gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzt?

„In jedem Jahr steigt die politisch motivierte Kriminalität im Bereich der queerfeindlichen Straftaten. Das ist den jährlichen bundesweiten Fallzahlen zu entnehmen. Hinzu kommt, dass mittlerweile deutlich mehr Straftaten angezeigt werden. Leider ist die Dunkelziffer noch immer sehr hoch. In Gesprächen mit der queeren Community nehmen wir eine große Besorgnis wahr, über die aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklung. Das Sicherheitsempfinden vieler hat sich verändert.

Umso wichtiger ist es, dass queerfeindliche Straftaten gemeldet und angezeigt werden. Eine Anzeige ist nicht nur eine weitere Zahl in der Statistik, sondern auch ein Zeichen, dass Queerfeindlichkeit nicht hingenommen und ertragen wird.“

Unter anderem deshalb betonen Jules und Vici noch einmal mehr:

„Wir sind gegen jede Form von Hass. Hass und Diskriminierung spaltet unsere Gesellschaft und geht gegen unsere demokratischen Grundwerte. Unsere Aufgabe als Polizei ist es, diese demokratischen Grundwerte zu schützen. Besonders stark von Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen sind marginalisierte Gruppen. Daher ist es für uns auch wichtig, uns für diese Menschen einzusetzen. Wenn wir uns deutlich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung positionieren, sendet dies ein starkes Signal.“

 

Mit Hilfe ihres Puzzleteils möchten die zwei vor allem appellieren:

„Zeigt es an! Schweigen hilft nur den Täter*innen.“

 

Ihnen liegt es am Herzen, unmissverständlich klarzumachen:

„Wir setzen uns aktiv für queere Menschen innerhalb der Polizei und der Zivilgesellschaft ein. Queerfeindlichkeit hat in unserer Gesellschaft keinen Platz! Wir sind aber mehr als nur unsere Uniformen. Wir sind selbst ein Teil der queeren Community und stehen vor den gleichen Herausforderungen und Problemen, wie andere Menschen auch.“

Zudem wollen sie hiermit sich und ihr wichtiges Amt vorstellen und den Menschen zeigen, dass sie Vertrauen können.

„Damit mehr Menschen den Mut finden, sich an die Polizei zu wenden und Strafanzeige zu erstatten. Wir hören zu, nehmen ernst und unterstützen. Jede Polizeidienststelle ist eine Anlaufstelle für Betroffene – und wir sind dabei vor allem eines: Menschen.“

 

Danke, Jules und Vici, dass ihr euch und eure wichtige Rolle für die Gesellschaft vorstellt und einmal mehr zeigt:

Die Polizei ist eben wirklich ein Freund und Helfer! <3

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