#2026-0023

Puzzleteil
#2025-0023 Katja

„Sei froh, dass du blond und schlank bist, sonst wärst du hier schon rausgeflogen!“

Was würdest du denken, fühlen, empfinden, wenn dir als junges Mädchen ein solcher Satz entgegenschlägt?
Fassungslosigkeit, Enttäuschung, Wut?
Von allem ein bisschen?

Unsere Teilnehmerin Katja musste sich in jungen Jahren genau diese Worte anhören, die auf sie zuschleuderten wie schmerzhafte Peitschenhiebe.

„Ich war damals 17 Jahre alt und habe mich nicht getraut, etwas zu sagen oder diese Übergriffigkeit meines Chefs, der so etwas zu einem damals minderjährigen Mädchen und seiner Schutzbefohlenen sagte, zu melden.”

Sätze, wie sie Katjas damaliger Vorgesetzter äußerte, sind keine Einzelfälle. Sie sind Ausdruck eines Systems, in dem solche Machtverhältnisse lange als selbstverständlich gelten: dem Patriarchat. Kommentare über Aussehen, übergriffige Bemerkungen oder herablassende Sprüche wurden allzu oft als „normal“ abgetan. Ein System, in dem Grenzen überschritten und Respekt oft durch Hierarchie ersetzt werden.

Insbesondere Mädchen lernen früh, solche Situationen auszuhalten, zu schweigen oder sie als gegeben hinzunehmen. Nicht, weil sie es wollen – sondern weil ihnen niemand gezeigt hat, dass ihre Stimme zählt und wie man, die eigenen Grenzen zu kommuniziert. Es betont einmal mehr, wie wichtig es ist, diese Muster zu erkennen, zu benennen und ihnen etwas entgegenzusetzen.

Dass Katja diesen Moment heute einordnen und darüber sprechen kann, ist deshalb mehr als eine Erinnerung. Es ist auch ein reflektierter Blick darauf, wie sehr gesellschaftliche Strukturen prägen können und wie wichtig es ist, sie zu hinterfragen und gegebenenfalls aufzubrechen. Mit Blick auf die damalige Situation sagt Katja heute:

„Vielleicht wäre ich mutiger und selbstbewusster gewesen und hätte gewusst, dass ich alles Recht der Welt gehabt hätte, meinen Mund nicht zu halten, wenn ich Eltern gehabt hätte, die ihr Kind gesehen, wahrgenommen, aufgeklärt und gestärkt hätten.“

Die heutige Dekorateurin und Floristin ist in den 70er Jahren in einem kleinen Dorf mit rund 800 Einwohnern aufgewachsen und hatte ein unaufgeschlossenes, liebloses Elternhaus, ohne politisches Interesse. „Ich habe heute immer noch Eltern, die Kopftuch tragende Frauen ‚die Kopftücher‘ nennen und bei denen schwule Männer als ‚verzaubert‘ gelten“, bedauert Katja.

Und auch in der restlichen Verwandtschaft trifft sie immer wieder auf fragwürdige Ansichten:
„Meine Tante und mein Onkel sind Anfang der 60er Jahre in die USA ausgewandert, weil tolle Jobs im tollen Amerika warteten. Doch beide regen sich heute noch über ihre Schwarzen Nachbarn auf und beschweren sich, dass bestimmte Supermärkte ja wirklich nicht mehr zu betreten sind, weil fast nur noch Schwarze dort einkaufen.“

Was es mit ihr macht, wenn nahestehende Personen aus der eigenen Familie so reden?
„Zum Glück fand ich keine dieser Aussagen jemals richtig, sie führten jedoch oft zu Streit und Rückzug.“

Ihr ist bewusst, dass diese diskriminierenden Worte und Umgangsformen ihrer Verwandtschaft auch dazu hätten führen können, dass sie selbst diese Sichtweisen übernimmt.
„Ich hatte wohl großes Glück, schon früh einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn zu entwickeln und vieles zu hinterfragen.“ 

Mittlerweile weiß sie, dass das Verhalten ihrer Eltern vor allem auf Unsicherheit und Angst basiert.
„Ich glaube, dass vieles davon auf Unsicherheit und Angst gegenüber anderen Kulturen und Lebensrealitäten beruhte – aber auch auf fehlendem Interesse an persönlicher Weiterentwicklung.“ 

Für Katja sind Mut und Liebe ganz wichtige Werte, nach denen sie leben möchte. Dazu gehört für sie auch der Vielfaltsgedanke: „Vielfalt ist ein so schönes, positives Wort und es bedeutet für mich: Möglichkeiten, freie Entscheidungen, Freiheit, Blickwinkelveränderung, Spaß, Abenteuer und und und… Es steht für so vieles!“

Haltung zeigen und sich klar positionieren - das ist es, was Katja mit ihrer Teilnahme in erster Linie möchte.
„Ich habe mich dazu entschieden, teilzunehmen, weil gutes, soziales Engagement, wie ihr es betreibt, unterstützt gehört.“

 

Danke, Katja, für deinen Fingerzeig darauf, dass frauenfeindliches und diskriminierendes Verhalten nicht geduldet werden sollte und dass man auch im Umfeld mit gegenteiliger Meinung stark bleiben sollte ! <3

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