#2026-0024

Puzzleteil
#2025-0024 Gabor

„Ich fühle mich mehr denn je als Rockstar - ohne Bewegung, aber im Kopf und im Herzen total.“

Auf den ersten Blick springen einem die vielen Tattoo ins Auge. Bis zum Hals ziehen sich unterschiedlichste Motive auf Gabors Haut. Auf seinen Armen schlängeln sich Tiere und Gesichter. Sie gehören zu seiner Persönlichkeit, wie er selbst erzählt: „Ich wollte schon als kleiner Junge immer tätowiert sein, weil das mein Opa schon war und ich immer Rockstar sein wollte. Und richtige Rockstars müssen tätowiert sein. Ich fühle mich mehr denn je als Rockstar - ohne Bewegung, aber im Kopf und im Herzen total.“

Die Musik, genauer gesagt Hardcore Punk, ist noch immer Teil seines Lebens. Doch so ziemlich alles andere wurde im Sommer 2010 auf den Kopf gestellt.

Gabor war mit seinen Freunden im Urlaub am Meer, zum gemeinsamen Feiern und Entspannen. Sie waren ausgelassen, hatten Spaß, bis Gabor eine verhängnisvolle Entscheidung traf. Er wollte ein letztes Mal ins Wasser, bevor sie zurück in ihre Unterkunft fuhren. Etwas übermütig hechtete er kopfüber hinein. Aber das Wasser war zu flach. Eine Not-OP rettete ihm sein Leben, jedoch nicht seine Beweglichkeit.

Seither ist der leidenschaftliche Rocker querschnittgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Ein Schicksalsschlag, der erst einmal verarbeitet werden muss. Gabors Wille ist stark. Er kämpft sich zurück, nimmt sein neues Leben an.

„Ich bin ein ganz normaler Mensch im Rollstuhl, der sein Leben gerne lebt - am liebsten mit tollen Menschen.“

Seine Familie und seine Freunde, die sich selbst erst einmal an die neue Situation gewöhnen mussten, sind Gabors größte Stütze und immer für ihn da.

„Ich bin sehr glücklich über meine tolle Familie und meinen Freundeskreis. Das hält zusammen. Ich liebe meine Frau - ihr ist absolut egal, dass ich im Rollstuhl sitze, schließlich zählt das Herz in der Brust.“

Aufgrund seines Unfalls ist der gelernte Holzmechaniker inzwischen verrentet und rund um die Uhr auf fremde Hilfe angewiesen. Doch er hat Glück: Ein engagiertes Team aus fünf fest angestellten Pflegekräften begleitet ihn im Alltag und ermöglicht ihm ein weitgehend selbstbestimmtes Leben. Durch ihre Unterstützung kann er seinen Tagesablauf nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten und trotz seiner Querschnittlähmung ein hohes Maß an Selbstständigkeit bewahren.

Ein Ausgleich ist für ihn nach wie vor die Musik. Der Rollstuhl hält ihn nicht davon ab, Konzerte und Festivals live zu genießen.

„Am meisten liebe ich es, auf Konzerte zu fahren, um vom Alltag abzuschalten. Musik war und ist schon immer mein Leben. Bei Konzerten kann man seine ganze Energie rauslassen und ist im Alltag dann geerdet.“

So viele Hürden das Leben im Rollstuhl auch mit sich bringt, es hat ihn auch daran erinnert, was wirklich wichtig ist:
„Ich habe früher mein Leben sehr genossen, aber heute noch viel viel mehr und auch viel viel klarer als früher. Ich schätze die Dinge viel mehr als früher. Ich weiß jetzt, worauf es ankommt im Leben: Gesundheit, Freunde, Familie und Hardcore Punk. Ab und zu brauche ich direkt einen in die Fresse - von der Musik.“

Auch aufgrund seines eigenen Schicksals liegt es ihm am Herzen, sich für andere einzusetzen. Mit seiner selbstgegründeten Laufgruppe engagiert er sich für andere Querschnittgelähmte und schöpft daraus viel Kraft und Energie für sich selbst. Seit dem Unfall feiert er jedes Jahr um die Zeit seinen „zweiten Geburtstag“.

„Das ist definitiv ein Grund zum Feiern. Denn ich hätte ja auch tot sein können. Bin ich aber nicht, ich darf weiterleben. Ich hab zwar einen Querschnitt, aber ich bin ja trotzdem gesund. Das schätze ich sehr. Ich kann immer noch am Leben teilnehmen, kann sagen, was ich denke und möchte. Und das ist sehr, sehr, sehr viel wert.“

Negative Erfahrungen mit bösen Anfeindungen oder ähnlichem hat er bisher nicht gemacht: „Zum Glück noch nie. Das liegt wahrscheinlich an meiner großen Klappe. Aber wenn ich sowas bei anderen mitbekomme, setze ich mich immer für den Schwächeren ein. Mensch ist Mensch.“

Diese Einstellung prägt auch Gabors Werte und Prinzipien im Alltag: „Ein respektvolles Miteinander ist die halbe Miete. Die Welt wäre ein besserer Ort mit mehr Liebe und Akzeptanz.“

Dazu gehört für ihn auch die Vielfalt in der Gesellschaft:
„Jeder darf lieben, wen er möchte. Alles ist erlaubt. Nur wenn es extremistisch wird, ist es problematisch - in jeglicher Hinsicht. Vielfalt im Alltag ist für mich, mit aller Art von Menschen zu tun zu haben und sie kennenzulernen. Und gutes Essen aus verschiedenen Kulturen - das liebe ich.“

 

Mit seinem Puzzleteil bei BE THE COLOR möchte er Menschen und vielleicht auch anderen Betroffenen zeigen, dass es sich lohnt zu leben und dabei Gutes zu tun. Seine Kraft und Hoffnung nicht zu verlieren, ist in seinen Augen das Allerwichtigste. Seine persönliche Message:
„Mit einem guten Herzen und guten Menschen kann man sehr viele Hürden überwinden. Meine Meinung: Du kriegst, was du gibst. Mit Respekt kommt man immer weiter im Leben. Unser Tun und Machen spiegelt unser Inneres.“

Ein Teil des Projekts zu sein, freut ihn sehr: „Ich finde es sehr schön, dabei sein zu dürfen und meine Geschichte zu erzählen, um anderen Menschen vielleicht Kraft zu geben. So kann ich zeigen, dass es - mit dem richtigen Umfeld - auch mit Einschränkungen weitergehen kann.“

 

Danke, Gabor, dass du uns zeigst: Ein schwerer Schicksalsschlag ist zwar kein Zuckerschlecken und verdammt hart zu akzeptieren. Aber mit den wichtigsten Menschen an der Seite und vor allem ganz viel Hoffnung, Kraft und Zuversicht im Herzen, lassen sich die größten Hindernisse überwinden ! <3

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.