„Als selbstständige Frau in der Gastronomie wird man oftmals nicht ernst genommen. Dabei besteht mein Beruf nicht daraus, ‚nur Kaffee zu machen' oder einen Kuchen zu backen!"

Als wir zum ersten Mal das Café Lüttes betreten haben, kannten wir unsere Teilnehmerin Kay noch nicht. Wir kamen herein und fuhlten uns sofort wohl - der Ort strahlt direkt Wärme, Geborgenheit, Offenheit und eine ganz besondere Lebendigkeit aus. Man setzt sich, wiro liebevoll umsorgt und kann sich fallen lassen. Schnell weiß man: Hier sind alle willkommen, die ein friedliches und offenes Miteinander lieben - egal welche Herkunft, welche Persönlichkeit, welche Lebens-und Liebensart.

Wenn man dann auf Inhaberin Kay trifft, wird offensichtlich: Das Café ist ihr Baby, trägt ihre Handschrift, spiegelt ihre Persönlichkeit wider. Denn auch Kay ist eine offene, liebevolle und lebendige Person, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschen zu vereinen und ihnen einen Raum zur Entfaltung und zum Wohlfühlen zu geben. Sie strahlt, lacht und gibt einem direkt das Gefuhl, als wurde man sich schon lange kennen. Und vor allem: als wäre man genau so goldrichtig, wie man ist.

Wie sie sich mit drei Merkmalen beschreiben würde? „Ungeduldig, laut und am liebsten mit Kaffee und Essen in der Hand." Sie versucht mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, die Welt ein bisschen besser zu machen - etwa mit der Umgestaltung des Wollmarktes direkt vor der Café-Tür, mit dem Fokus auf Regionalität und Nachhaltigkeit in der Auswahl der Lebensmittel oder auch mit der Unterstützung sozialer Projekte. Sie engagiert sich und zeigt ganz klar Haltung gegenüber gesellschaftlichen und politischen Themen - immer mit der Einstellung „Miteinander statt gegeneinander!".

Doch so positiv und humorvoll Kay auch ist, wenn man sie nach den größten Herausforderungen als Cafébesitzerin fragt, wird sie schnell ernst und deutlich.

„Als selbstständige Frau in der Gastronomie wird man oftmals nicht ernst genommen", erzählt sie.

„Dabei besteht mein Beruf nicht daraus, ‚nur Kaffee zu machen' oder einen Kuchen zu backen. Ich führe ein Unternehmen mit über 30 Mitarbeitenden. Ich bin Unternehmerin, Personalerin, Buchhalterin, Organisatorin, Ansprechpartnerin und Inhaberin zugleich. Ich trage Verantwortung für Menschen, Zahlen, Qualität und Entscheidungen - jeden einzelnen Tag. Und trotzdem kommt es immer wieder vor, dass davon ausgegangen wird, dies sei nur ein Nebenjob oder ein nettes kleines Hobby."

Nichtsdestotrotz hat sie es geschafft, sich zu behaupten und in Braunschweig einen Namen zu machen. Sie hat denen selbstbewusst ins Gesicht gelacht, die sie kleinmachen und nicht ernst nehmen wollten. Die über Frauen in Führungspositionen nur lächeln und arrogant abwinken. Die mit ihren Köpfen noch immer in patriarchalen Strukturen und Denkweisen festhängen und nicht wahrhaben wollen, wie eigenständig und stark Frauen sind.
Allen Frauen, die ähnliche Erfahrungen machen müssen, will sie bestärkend mit auf den Weg geben:
„Zähne zusammenbeißen und weitermachen. Jede von uns war schon mal an dem Punkt und du bist nicht alleine!"

Doch Kay beschäftigt noch mehr. Und zwar „die Frage danach, wie wir Vertrauen und Räume schaffen können, in denen sich Menschen wirklich wohlfühlen."
Sie weiß, was es gerade in den jetzigen (Krisen-) Zeiten braucht:
„Das Verständnis dafür, dass niemand von uns alleine hier ist. Dass unser Handeln Wirkung hat. Jedes aufeinander Zugehen kann einen Unterschied machen. Jedes Gespräch kann verbinden, Verständnis schaffen und uns weiterbringen. Es ist anstrengend und es gibt Hindernisse, aber es funktioniert."

Und auch hier besitzt der Vielfaltsgedanke wieder eine unabdingbare Schlüsselrolle: Es bedeutet nicht nur zu sehen, in welchen Aspekten man sich voneinander unterscheidet und diese Unterschiede anzuerkennen.

„Es bedeutet auch, sich der eigenen Privilegien bewusst zu sein. Zu verstehen, dass nicht alle Menschen mit denselben Voraussetzungen, Möglichkeiten oder Erfahrungen durchs Leben gehen. Große Liebe geht raus an Tupoka Ogette."
Tupoka Ogette ist Autorin und begleitet Menschen auf Instagram, in Workshops, Keynotes, Beratungen und in ihrer selbstgegründeten „Tupokademie" beim rassismuskritischen Denken und Leben.

Wer sich selbst reflektiert und seine eigenen Privilegien erkennt und benennt - sei es (das Recht auf) eine gute Bildung, ein freies Leben innerhalb einer Demokratie, ein Alltag ohne von Rassismus betroffen zu sein - kann auch sehen und verstehen, wie wichtig und erstrebenswert diese Dinge für Menschen sein können.

Man lernt nicht nur wieder mehr zu schätzen, was man hat. Man stärkt auch sein Verständnis für andere, lernt neue unterschiedliche Perspektiven und Sichtweisen kennen. „Das Projekt BE THE COLOR ist ein wunderbarer Ansatz, Verbindungen zu schaffen", findet Kay. „Es zeigt auf, wie unterschiedlich wir Menschen sind - und gleichzeitig, wie viel uns verbindet. Denn genau in dieser Vielfalt liegt die Möglichkeit, einander besser zu verstehen, offener aufeinander zuzugehen und neue Räume für Begegnung entstehen zu lassen."

Gerade jetzt, wo unsere Gesellschaft (politisch) sehr gespalten ist, braucht es eine Rückbesinnung auf Menschlichkeit und alles, was uns verbindet statt noch mehr auseinander treibt. Kay ist überzeugt:
„Viele Wege führen zu mehr Akzeptanz - und in der heutigen Zeit sollten wir jeden davon gehen. Ob durch Gespräche, Bildung, Begegnungen, Sichtbarkeit oder gegenseitige Unterstützung: Jeder Schritt hin zu mehr Verständnis und Menschlichkeit macht einen Unterschied. Nur gemeinsam können und müssen wir uns gegen rechte Gesinnungen, Ausgrenzung und Hass stellen. Daher as always: FCK AFD!"

 

Danke, Kay, dass Zurückschrecken nie eine Option für dich war, du allen Frauen da draußen zeigst, warum es sich lohnt zu kämpfen und dass du klar und deutlich Haltung zeigst - für eine starke Gemeinschaft fernab von Hass, Diskriminierung und rechtem Gedankengut! <3

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