#2025-0002

Puzzleteil
#2025-0002 Adrian

„Ich werde häufig angestarrt und ernte immer wieder abfällige Kommentare."

Das ist leider keine Ausnahme, sondern der traurige Alltag von Adrian. Erst vor ein paar Jahren hat er herausgefunden, dass er ein trans Mann ist. „Diese Reaktionen begleiten mich schon seit Jahrzehnten, also schon lange vor meinem Outing. Dazu kommen das übliche Misgendern und teilweise unangebrachte Fragen zu meiner Transition." Wie er damit umgeht?
Er versucht, sie zu ignorieren. Sich nicht anmerken zu lassen, dass es ihn jedes Mal aufs Neue trifft, verunsichert, belastet. „Ich kann die Neugierde ja verstehen, aber der Personenkreis, mit dem man seine Körperbehaarung oder G*nitalien diskutiert, ist doch eher begrenzt. Ich dachte eigentlich, das wäre allen klar." 
Offensichtlich nicht. Im Gegenteil. Immer wieder muss er feststellen:
„Als trans Person wird man häufig regelrecht zum Zootier."

Adrian ist von Beruf Redakteur und in seiner Freizeit leidenschaftlicher Kampfsportler mit einem Herz für Tiere. Außerdem liebt er Konzerte, verbringt gern Zeit in der Natur beim Wandern und schreibt Fantasy-Bücher. Allzu viel Zeit bleibt für diese Dinge im Moment jedoch nicht. „Ich wurde zwar nicht sagen, dass mir trans zu sein wichtiger ist als meine Hobbys, allerdings nimmt es viel Platz in meinem Leben ein, da es einerseits durch zahlreiche Termine und Papierkram viel Zeit und Stress kostet und ich andererseits in vielen Lebenssituationen daran erinnert werde."

Grundsätzlich lebt Adrian nach dem Motto:
„Leben und leben lassen. Man muss (und kann) nicht alles und jeden verstehen, aber man kann sie trotzdem akzeptieren."

Ein Prinzip, das für die Existenz von Vielfalt absolut essenziell ist. „Für mich bedeutet Vielfalt, so leben zu können, wie man es möchte, ohne dadurch rechtliche oder gesellschaftliche Nachteile zu haben. Natürlich hört diese Selbstentfaltung da auf, wo andere Menschen geschädigt werden.'

Was Adrian anderen Personen - vor allem denjenigen, denen es ähnlich ergeht - mit auf den Weg geben möchte, ist:
„Vergeudet eure Energie nicht dafür, euch und eure Existenz vor denen zu rechtfertigen, die nicht verstehen wollen. Und auch, wenn jemand neugierig ist und Fragen hat, ist es nicht euer Job, Botschafter für eure Identität, Kultur etc. zu sein, wenn ihr das nicht möchtet.
Außerdem ist es sehr hilfreich, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, egal ob online oder im echten Leben. Es wird immer wieder Dinge geben, die die cis Menschen in eurem Leben nicht verstehen, da ist es gut, Leute zu haben, die einen verstehen oder die Fragen beantworten können."

Mit seiner Geschichte möchte er außerdem ermutigen und aufklaren:
„Ich dachte lange, irgendetwas stimmt mit mir nicht. Ich war der Außenseiter, depressiv und su*zidal. Hätte ich früher mehr über queere Identitäten gewusst, hätte ich vermutlich sehr viel früher verstanden, was los ist. Deshalb bin ich heute ganz offen und öffentlich trans. Vielleicht hilft es ja irgendwem, zu erkennen, dass sowas geht."

 

Danke, Adrian, dass du bereit bist, deine Story mit uns zu teilen! <3

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