
Puzzleteil
#2025-0009 Freddy
Jungs spielen mit Baggern, tragen immer Blau und machen sich gern dreckig. Mädchen dagegen trinken mit ihren Puppen Tee, schminken sich gern und sehen besonders in rosa Kleidchen hübsch aus.
Na klar sind diese Sätze ziemlich überspitzt, aber jeder von uns kennt sie: die Klischees, die uns fatalerweise in die geschlechterspezifischen Rollenbilder zwängen. Und wehe, jemand stellt dies infrage!
Aber was ist, wenn ein erwachsener Mann weint? Oder eine Frau gern auf dem Bau arbeiten möchte?
Ganz genau: NICHTS! Denn es spricht absolut nichts dagegen, wenn die Person das tut, wonach ihr gerade ist.
Bauingenieur Freddy hat mit ebendiesen veralteten Rollenklischees schon sehr früh zu kämpfen gehabt:
„Als Kind und Teenager habe ich relativ häufig Gegenwind bezüglich meiner eher stereotypisch weiblichen Interessen (z. B. Stepptanz, Ballett) erfahren müssen und wurde infolgedessen oft als schwul' bezeichnet. Ich habe immer versucht, die Kommentare zu ignorieren und habe ihnen auch nur selten etwas entgegnet. Von meinem Pfad abgebracht haben sie mich aber zum Glück nie, da ich in meinem sozialen Umfeld und meinem Hobby selbst die Kraft gefunden habe, meinen Weg weiter zu gehen."
Doch leider sind es nicht nur Freddys Hobbys, die für gehassige Mitmenschen ein gefundenes Fressen darstellen:
„Ich bin ein Mann deutscher Herkunft, dessen Interessen und Lebensweise schon immer im Konflikt mit der gesellschaftlichen Norm stand. Ich bin bisexuell, lebe vegan, nachhaltig und umweltbewusst, trinke nur sehr wenig Alkohol und bin leidenschaftlicher Tänzer. Alles Eigenschaften meiner Persönlichkeit, die mich ausmachen, aber nicht immer auf Akzeptanz in der Gesellschaft stoßen."
Auch wenn Freddy sich von abwertenden Sprüchen und Schubladen-Denken nicht einschüchtern ließ:
„Spuren hat die Zeit allerdings trotzdem hinterlassen, so habe ich immer noch Probleme damit, ungehemmt von meinen Interessen und meiner sexuellen Orientierung - die ich aufgrund der Tabuisierung erst im Studium für mich entdeckt habe - zu erzählen. Dabei sind meine Sexualität und meine Einstellung zum Leben ein wichtiger Teil meiner Identität. Ich bin stolzes Mitglied der queeren Community, für die ich mich gerne stark mache, weil sie mir ein Zuhause bietet. Gleiches gilt für die links-grüne Community, da es gut tut Menschen um sich zu haben, die genauso kritisch auf die Welt und die Politik schauen."
Werte und Prinzipien, die für Freddy unbedingt in die Gesellschaft gehören, sind insbesondere Respekt und Akzeptanz.
„Darüber hinaus ist mir Liebe, im Sinne eines liebevollen Umgangs miteinander, sehr wichtig. Denn wenn diese Prinzipien gegeben sind, hat Vielfalt die Möglichkeit, unser aller Leben zu bereichern."
Leider wird eben dies noch viel zu häufig unterschätzt: der große Wert von Vielfalt.
Für Freddy liegt es klar auf der Hand:
„Vielfalt bedeutet für mich, dass alle Menschen so sein können, wie sie sind und auch genau so akzeptiert und respektiert werden. In meinem Fall gehört dazu meine Sexualität, meine Lebensweise und - für mich am wichtigsten - meine Leidenschaft: das Tanzen.
Wenn ich im Tanzunterricht bin, werden die unterschiedlichen Identitaten der Teilnehmenden akzeptiert, da der Fokus beim Tanzen liegt. Anders als im Alltag kann ich in der Tanzschule ich selbst sein, weil dort Vielfalt gelebt wird."
Und eben dies ist der springende Punkt: Zu wissen, dass es sie gibt, reicht nicht aus! Man sollte es verinnerlichen, ihr Aufmerksamkeit schenken und sie leben!
„Vielfalt muss gelebt werden, damit sie Akzeptanz und Respekt erfährt. Dafür erfordert es zwar ein bisschen Mut, aber da das Ziel ist, voll und ganz du selbst sein zu können, zahlt es sich aus. Und man tut sich nicht nur selbst etwas Gutes, denn eine mutige Tat befeuert die nächste."
Genau deshalb konnten wir Freddy auch für unser Projekt gewinnen:
„Ein Teil von BE THE COLOR zu sein bedeutet für mich, den Mut zu haben, meine Identität der Welt zu zeigen. Ich liebe mich so wie ich bin, habe nur nicht immer auf Anhieb den Mut, das auch auszustrahlen. Daher möchte ich der Welt zeigen, dass die Zeit des Versteckens vorüber ist und wir uns gemeinsam stark für eine vielfältige Gesellschaft machen müssen."
Ein ausschlaggebendes Argument für seine Teilnahme:
„Ich möchte mit meiner Geschichte/ meinem Puzzleteil dazu beitragen, dass Vielfalt in der Gesellschaft sichtbarer wird. Speziell von der Veröffentlichung meiner Geschichte erhoffe ich mir mehr Akzeptanz für das Ausleben von Interessen, die vermeintlich nur für ein Geschlecht bestimmt sind."
Danke, Freddy, für deine große Unterstützung und den Hinweis darauf, wie schmerzhaft veraltete Geschlechterklischees sein können! <3
