#2025-0011

Puzzleteil
#2025-0011 Rosa

„Weil ich trans bin und erst spät in meinem Leben zu meinem Frausein gefunden habe, ist mein Geschlecht mir besonders wichtig."

Trans*Frau Rosa kommt ursprünglich aus der Metallbranche, einem noch immer vorwiegend männlich dominiertem Beruf. Vor allem während der Ausbildung unter lauter Jungs fiel ihr auf: „Ich war immer irgendwie anders. In der Schule fiel das nicht so auf, aber in der Ausbildung später schon. Ich habe auch keine männlichen Freunde aus der Zeit." Nach einer ersten Ehe, aus der sie zwei Kinder hat, traf sie im Jahr 2002 ihre große Liebe. Mit ihr erlebte sie später auch diesen einen besonderen Schlüsselmoment.

„Als ich meine Liebste kennenlernte, habe ich im Wald in einer Hütte gelebt. Dort hat sie mal ihre Strickjacke hängen lassen. Und die habe ich irgendwann mal angezogen. Mir war ja ganz bewusst, dass das eigentlich eine Frauenjacke ist, aber ich fühlte mich so wohl da drin. Das würde ich heute vielleicht als Schlüsselerlebnis bezeichnen."

"Ich fühlte mich vorher mein Leben lang immer als komischer Mann, aber ich wusste nicht, was an mir das Komische war."

Rosa erzählte ihrer Partnerin ganz offen und ehrlich von ihren Gefuhlen und traf sotort auf Verstandnis:
Meine Liebste hat mich von Anfang an unterstützt. Sie fand das irgendwie spannend und hat mich begleitet. Wir haben beide die gleiche Figur gehabt, die gleiche Schuhgröße. Dann hab ich zu Hause immer ihre Sachen getragen, mal einen Rock, mal eine Bluse, ein T-Shirt. Und das hab ich über die Jahre so genossen und manchmal habe ich mich dreimal am Tag umgezogen. Aber es wurde immer mehr und immer mehr, bis ich dann an den Punkt kam, wo ich mich mit meinen Geschlechtsempfindungen auseinandergesetzt habe. Ich hatte mich erst als Damenwäscheträgerin bezeichnet. Aber das wurde immer normaler für mich und umso mehr hab ich ernsthaft über meine Geschlechtsidentität nachgedacht."

Nach einer emotional sehr schweren Zeit, in der sie von ihrer Liebsten Abschied nehmen musste, fasste Rosa den Entschluss, den Schritt der Transition zu gehen. Nach zahlreichen Etappen wie Personenstandsänderung, Geschlechtsangleichung und Hormontherapie kann sie heute sagen:

„Ich bin endlich bei mir angekommen. Spät, aber immerhin kann ich jetzt mein Frausein genießen."

Natürlich kennt auch Rosa die Schattenseiten und weiß, was es bedeuten kann, als Teil der queeren Community angefeindet zu werden.

„Du bist doch keine Frau. Du bist doch Müll, du bist Abfall. Du gehörst in die Mülltonne."

Eine solch ekelhafte Äußerung bekam Rosa vor einiger Zeit von einer völlig fremden Person an den Kopf geknallt, während sie gerade für das Gute auf die Straße ging und sich für die Gesellschaft einsetzte.

„Ich war in einer aktivistischen Gruppe unterwegs, die gegen patriarchale Verhältnisse demonstriert. Da machen wir immer so eine Art Performance, ziehen durch die Stadt, rufen Sprüche, Parolen, tanzen dazu, halten meistens eine kleine Rede, halten Plakate hoch. Und da sprach mich eine weibliche Person an und fragte mich, ob ich eine Frau bin. Das habe ich bejaht. Daraufhin bekam ich diese Worte zu hören."

Derartige Anfeindungen haben Macht, können uns Menschen aus der Bahn werfen und in tiefe Selbstzweifel stürzen. Aber nicht Rosa. Rosa ließ die Worte der Unbekannten keine Macht über sich ergreifen:

„Ja, es war sehr beleidigend und wirklich eine Frechheit, aber viel wichtiger ist für mich, dass meine Kinder und Enkel mich als Frau akzeptieren und respektieren. Daraus schöpfe ich die Resilienz, um die trans*feindlichen gesellschaftlichen Verhältnisse wie zum Beispiel aktuell in den USA, Ungarn und Großbritannien nicht so sehr an mich heran kommen zu lassen."

Glücklicherweise erlebt Rosa ansonsten vor allem positive Resonanz bezüglich ihrer Person.

„Insbesondere mein berufliches Outing bei meinem damaligen Arbeitgeber, bei dem ich als pädagogische Fachkraft unterrichtet habe, hat einen tiefen positiven Eindruck in mir hinterlassen. Als ich mich den Kolleginnen und Kollegen als trans* Frau vorgestellt habe, bekam ich nur Zustimmung und Mitfreude für meinen Weg. Auch die Teilnehmenden in den Gruppen - damals habe ich junge Menschen unterrichtet - haben sich durchweg positiv mir gegenüber verhalten. Das war so wesentlich für meine seelische Gesundheit!"

Weiterhin mit Freude zur Arbeit gehen zu können, erfüllte Rosa mit großer Erleichterung. Auch als Rentnerin unterrichtet sie heute gerne noch einmal wöchentlich, wenn auch nur im Herbst und Winter. Denn den Sommer verbringt sie auf einem Campingplatz an der Ostsee.

„Auch dort werde ich akzeptiert und respektiert in meinem Frausein. Genau wie in meiner Hausgemeinschaft hier in Braunschweig", freut sie sich. „Überhaupt ist Braunschweig mir eine Heimat geworden. Hier fühle ich mich wohl und sicher als trans*Frau. Ich empfinde die Stadt als sehr queerfreundlich."

Diese Positivitat aus ihrem direkten Umfeld umhullt Rosa mit Glück - das für sie mehr wiegt als das Negative.

„Das ist leider nicht die Normalität für trans*Personen. Ich höre oft von Unverständnis in der Familie, ja sogar von Ablehnung."

Vor allem aufgrund ihrer eigenen Ertahrungen lebt Rosa vor allem nach dem Prinzip:

„Alle Menschen sind gleich wertvoll." Vielfalt sei unabdingbar, findet sie.

„Die Natur zeigt mir, dass sie wichtig ist für ein gesundes, starkes und widerstandsfähiges System. Das gilt auch fur unsere menschliche Gesellschaft. Durch meine ehrenamtliche Arbeit in der Beratung von queeren Personen stelle ich fest: Immer mehr Menschen erkennen, dass sie nonbinar sind, nicht nur Mann oder nur Frau. Für die ist es unglaublich problematisch, medizinische Angleichungen zu bekommen, weil die noch durchs Raster fallen. In der Medizin gibt's entweder Mann oder Frau - fertig aus! Und das finde ich so richtig tragisch."

Mit der Teilnahme an BE THE COLOR möchte Rosa vor allem eins erreichen:

„Je mehr trans*Personen und Personen aus der queeren Community sich öffentlich zeigen, umso ‚normaler' werden wir in in unserer Vielfalt." Und an alle, die einen ähnlichen Weg wie Rosa vor sich haben, möchte sie noch mal umso stärker betonen: „Ihr seid nicht allein! Es gibt offline und online Gruppen von Gleichgesinnten."

 

Danke, Rosa, für deinen Mut und deine Bereitschaft, deinen positiven Weg mit uns zu teilen und für deine bedeutende Hilfsarbeit, die du leistest! Damit bist du eine unverzichtbare Stütze unserer Gesellschaft! <3

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