
Puzzleteil
#2025-0012 Johannes
„Erst mal bin ich wohl ein weißer, europäischer Mann. Allerdings bin ich mir erstens dieser Privilegien sehr bewusst und zweitens ist es, glaube ich, deshalb noch viel wichtiger, zuzuhören und ein Puzzleteil in dieser bunten Gesellschaft zu sein."
Zu einer benachteiligten oder diskriminierten Minderheit gehört Johannes nicht. Er ist, wie er selbst sagt, weiß, europäisch und dadurch privilegiert. Mit Rassismus gegen seine Person, Ausgrenzung oder gesellschaftlicher Benachteiligung hat er nicht zu kämpfen. Und doch weiß er, wie es ist, anders zu sein:
„Wahrscheinlich nicht so sehr wie viele andere, aber als Kind hatte ich eine Gaumenspalte. Nicht sichtbar, aber es hat sich bis zu meiner Pubertät in meiner Stimmlage gezeigt. Ich wurde oft nachgeäfft. Es ist vielleicht banal, aber damals war es brutal als Kind", erinnert er sich.
„Und damals hatte ich so kleine Röhrchen im Ohr, was dazu geführt hat, dass ich beim Schwimmen Stöpsel im Ohr hatte und eine Badekappe aufsetzen musste. In meinem Schwimmbad hatten aber nur ältere Damen solche Kappen auf und viele haben sich dann lustig darüber gemacht.
Für viele ist das banal, für mich war es früher wirklich ein Albtraum. Und selbst heute ist es noch so: Wenn ich Chlor rieche, muss ich erst mal tief durchatmen und mich bewusst aufs Schwimmen einlassen. Geholfen hat mir damals meine Familie und auch mein Freundeskreis." Die Erfahrungen aus seiner Kindheit haben Johannes geprägt und ihm gezeigt, wie wichtig es ist, Andersartigkeit mit Offenheit zu begegnen.
„Die Akzeptanz, anders sein zu dürfen, ist mir sehr wichtig. Es gibt Millionen unterschiedlicher Lebensweisen, die alle richtig sind. Und sich da gegenseitig zu akzeptieren und zu respektieren, kann uns nur nach vorne bringen."
Für sich selbst hat der Erzieher schon früh einen Entschluss gefasst:
„Mir ist es besonders wichtig, offen zu bleiben für neue Perspektiven und zu versuchen, neue Blickwinkel einzunehmen. Sensibel zu sein für diejenigen, die nicht per Geburt diese Privilegien haben."
Ein ganz entscheidender Punkt, denn: Eine solche Lebenseinstellung ist quasi der Grundstein für Vielfalt in unserer Gesellschaft. Und die findet auch Johannes erstrebenswert:
„Vieltalt bedeutet fur mich zuallererst Bereicherung an Erfahrungen und Perspektiven. Durch unterschiedliche Augen auf die Welt zu schauen und sie mehr und mehr als Ganzes erleben zu dürfen. Vielfalt ist aber auch eine Herausforderung an vielen Stellen. Sie muss aktiv mitgestaltet werden, damit die bunten und positiven Seiten der Vielfalt noch mehr in den Fokus kommen können."
Warum er sich zur Teilnahme bei BE THE COLOR entschieden hat?
„Ein Teil von etwas Großem zu sein, ist mir wichtig. Umso mehr gelebte Vielfalt sichtbar wird, desto mehr Menschen können so leben, wie sie es möchten. Es kann eingroßer Safe Space werden. Und ich glaube, dass Menschen wie ich, die von außen gesehen vielleicht erst mal total privilegiert sind, dazu beitragen müssen, dass dieser Space wachsen kann. Ich erhoffe mir, dass ich einen kleinen Teil dazu beitragen kann, dass dieses Projekt größer wird und auch diejenigen Menschen erreicht, die sich nicht gesehen fühlen. Und sie vielleicht dadurch ermutigt sind, auch mitzumachen."
An diese Menschen möchte Johannes zum Schluss noch folgende Worte richten:
„Es ist wohl der inflationärste Satz, den ich sagen kann, aber trotzdem: Du bist nicht alleine. Es gibt Menschen, die zuhören, die verstehen und für dich da sind."
Danke, Johannes, dass du zeigst, wie wichtig es ist, sich seiner Privilegien bewusst zu sein und diese für die Vielfalt einzusetzen! <3
