#2025-0013

Puzzleteil
#2025-0013 Yvonne

Die eigene Kindheit sollte den Grundstein für unser späteres Leben legen, Möglichkeiten bereithalten und uns in Geborgenheit betten, aus der wir in schweren Zeiten Kraft schöpfen können. Umso tragischer, wenn man statt Spaß, Liebe, Leichtigkeit durch eine Zeit voller Angst, Gewalt und Unsicherheit gehen muss. Wie unsere Teilnehmerin Yvonne.

„Ich hatte keine wirkliche Kindheit. Ich musste mit 13 Jahren erwachsen werden. Meine Mutter war tagelang auf Sauftour, ich hatte meinen kleinen Bruder zu Hause. Ich musste damals stehlen, um etwas zu essen oder Windeln zu haben. Manchmal musste ich meinen Bruder suchen, weil meine Mutter ihn mitgenommen hat. Ich musste ständig Angst haben, dass fremde Männer, die zusammen mit meiner Mutter getrunken haben, in mein Zimmer kommen und mich sexuell belästigen. Die Schläge meiner Mutter in ihrem zugedröhnten Zustand kann ich noch heute spuren. So eine Kindheit wünsche ich niemandem."

Selbstverständlich lässt sich eine solche traumatische Erfahrung nicht einfach überschreiben. Die Narben werden immer bleiben. Nichtsdestotrotz hat es Yvonne geschafft, positiv in die Zukunft zu blicken.

„Ich habe so viel Schlechtes erlebt - alkoholkranke, brutale Eltern, drogensüchtige Geschwister, einen narzisstischen Ex. Aber es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin."

Heute ist die gelernte Arzthelferin stolze Besitzerin eines Kiosk-Cafés.

„Ich würde sagen, ich bin liebenswert bekloppt mit dem Herz am rechten Fleck. Meine Hunde sind meine Familie und mein Tag und mein Leben ist der Kiosk. Ich bin glücklich hier, auch wenn es zurzeit sehr schwer ist."

Einen Partner an ihrer Seite hat sie nicht. Aus gutem Grund:
„Warum ich Single bin? Viele Männer kommen mit starken, selbstbewussten Frauen nicht klar und ich mag die Männer in meinem Alter nicht so gern. Beim Online-Dating bin ich oft zu brav und zu romantisch. Die meisten Männer suchen nur das schnelle Abenteuer. Springt man da nicht drauf an, hat man keine Chance, jemanden wirklich kennenzulernen."

Was Yvonne im Leben jedoch am allerwichtigsten ist, sind Respekt, Ehrlichkeit und keinerlei Gewalt, denn davon hat sie genug gesehen und selbst erlebt.
„Gerne würde ich Familie oder Liebe sagen, aber damit habe ich nur schlechte Erfahrungen im Leben gemacht."

Für das gesellschaftliche Miteinander hat sie nur einen Wunsch:

„Was mir wichtig wäre, ist, dass wir besser miteinander umgehen - egal, wen man liebt oder woher man kommt. Miteinander anstatt gegeneinander würde unsere Welt viel schöner und liebenswerter machen. Deswegen bedeutet es mir so viel, wenn manche mich bei der Hilfe für Obdachlose und Hilfsbedürftige begleiten. Mir hat mal jemand gesagt: ‚Dein Herz hat meine Augen geöffnet.' Das war echt toll."

Für Yvonne verlieren wir uns oft viel zu sehr in den Kleinigkeiten, wenn wir Neuem gegenüberstehen:

„Ich selbst bin offen für Neues, halte aber auch gern an Altem fest. Da bin ich hoffnungslos romantisch. Ich denke, wir machen uns oft zu viele Gedanken: Wer ist wie, warum ist er / sie so? Passt die Kultur zu uns, ist das Essen lecker? Dabei übersehen wir eins: Wir sind alle Menschen. Man muss nicht jeden mögen, aber man sollte niemanden verurteilen oder diskriminieren. Das steht uns auch nicht zu."

Yvonne hat es sich zur Aufgabe gemacht, Obdachlosen und Bedürftigen Gehör zu schenken, sie bei sich im Kiosk mit offenen Armen zu empfangen und unter anderem mit Aktionen wie „Essen mit Herz" zu unterstutzen. Ihr Kiosk soll ein Wohlfuhlort sein, ein Treffpunkt für die Nachbarschaft und Menschen, die oft durchs Raster fallen.

„Es gibt Leute, die haben wenig und geben immer, und es gibt Leute, die haben viel und geben selten", sagt Yvonne. Für sie ist klar: Wenn wir uns gegenseitig unterstützen, kann unsere Stadt warmer, schöner und liebevoller werden.

Yvonnes Kiosk besteht aus mehreren liebevoll gestalteten Räumen: dem klassischen Verkaufsraum, einer kleinen Sitzecke zum Kaffeetrinken und dem sogenannten „Hinterzimmer" - ein blau-gelbes Wohnzimmer, in dem gemeinsam Fußball geschaut wird. Es ist ein familiärer Ort, an dem sich auch Fremde schnell aufgenommen fühlen.

Besonders am Herzen liegt Yvonne ihr bereits erwähntes Projekt „Essen mit Herz".

In diesem Jahr tand ein Grillfest statt, bei dem sogar die „Barber Angels" mit dabei waren.
„Das sind Friseure, die tingeln so durch Deutschland und schneiden obdachlosen Menschen die Haare und sorgen dafür, dass sie sich wieder wohlfühlen." 
Ein Event, bei dem die ganze Nachbarschaft zusammenrückt und mit anpackt. All das geschieht ohne große Förderung, ohne Verein, aus reiner Überzeugung und mit viel Herzblut.
Denn: „Wenn jeder ein bisschen was macht, können wir ganz viel Gutes erreichen. Viele fragen mich, warum ich obdachlosen Menschen helfe. Sie sind doch selbst schuld, wird gesagt.
Fakt ist aber: Wir kennen den Grund nicht, warum es soweit gekommen ist und jemand sich für diesen schwierigen Weg entschieden hat. Wir können nicht immer sofort wissen, was die Beweggründe hinter den Entscheidungen unserer Mitmenschen sind. Aber wir können versuchen, ihnen zuzuhören und im Anschluss überlegen, wie wir helfen können."

Für alle, die eine schwere Zeit durchmachen oder es nicht immer leicht haben, hat Yvonne folgende Message:

„Niemals unterkriegen lassen! Selbst im größten Schmerz oder Leid gibt es etwas Positives und daraus kann man sich Kraft holen."

 

Danke, Yvonne, für deine Stärke weiterzumachen, wenn es schwierig ist und dafür, deine Energie in die Menschen zu investieren, die Hilfe benötigen! <3

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.