
Puzzleteil
#2025-0015 Robin
Wieso liegt es eigentlich in der Natur (zu) vieler Menschen, Andersartigkeit zu verurteilen, anstatt sie zu feiern?
Insbesondere wenn es um das Äußerliche, um körperliche Merkmale geht, wird oft als erstes mit dem Finger draufgezeigt, sich gewundert, gelacht, kritisiert. Körperformen, die nicht dem gesellschaftlichen Schönheitsideal entsprechen, werden eher ausgegrenzt als supportet. Aber warum ist das so?
Warum nehmen Äußerlichkeiten und vermeintliche „Makel" so viel unserer Aufmerksamkeit ein? Diese Frage stellt sich auch unser Teilnehmer Robin.
Er ist kleinwüchsig, bedingt durch das extrem seltene 3M-Syndrom. Diese genetische Veränderung, hervorgerufen durch Genmutation, wird autosomal-rezessiv vererbt, was bedeutet, dass beide Elternteile Träger des defekten Gens sein müssen, damit auch das Kind betroffen ist.
Robin ist einer von weltweit ca. 200 Fällen, die diese extrem seltene Form der Kleinwüchsigkeit aufweisen.
Doch er hat Glück: Sein Gendefekt hat in seinem Fall lediglich eine geringere Körpergröße zur Folge und keine Nebenerkrankungen wie z. B. gefährliche Herzfehler, die seine Lebensqualität massiv einschränken. Und trotzdem gibt es Momente, in denen Robin zu kämpfen hat. Weniger aber unter seinem Gendefekt, sondern hauptsächlich unter Diskriminierung.
„Mehrfach und immer wieder werde ich wegen meiner körperlichen Situation ausgegrenzt, diskriminiert und beleidigt. Vor allem früher kam ich nicht wirklich klar. Die Pubertät war eine schwere Zeit für mich. Durch gute Freunde und eine Familie, die hinter mir und meiner extrovertierten Art stehen, habe ich aber immer das Beste aus jeder unangenehmen Situation gemacht."
Robin möchte bloß das, was wir alle wollen: glücklich und in Frieden sein Leben leben.
„Ich bin ein Mensch, der trotz seiner Einschränkungen und offensichtlichen „Abweichungen von der Norm', sehr extrovertiert ist. Ich gehe auf Menschen zu und bin sehr interessiert an Gesprächen mit anderen. Meine Behinderung und meine sexuelle Orientierung machen tatsachlich mich und mein Leben aus. Besonders meine Körpergröße, meine extrovertierte Art und meine nicht monogame Lebensweise machen mein Leben zu dem, womit ich und auch meine Partnerin glücklich sind. Doch wenn ich offen über meine Gedanken und meine Lebensweise spreche, wurde schon oft hinter meinem Rücken über mich gesprochen."
Beim Kennenlernen mit neuen Menschen stellt er sich meist mit seinem selbstgewählten Spitznamen „Shorty" vor.
„Damit nehme ich oft schon bei der Vorstellung Vorurteile vorweg und die Menschen um mich herum merken schnell, dass ich mit meiner Größe locker umgehe. Durch eigene harte Arbeit an mir und mit meinem Umfeld habe ich gelernt, mit Inakzeptanz umzugehen. Ich komme gut klar und inzwischen gibt es kaum noch Situationen, die mich verletzen können - zumindest, wenn es um meinen Gendefekt geht. Ich habe nun mal keine andere Wahl und bin mit mir selbst im Einklang."
Robin sieht seine körperliche Situation als Möglichkeit, zur gesellschaftlichen Vielfalt beizutragen:
„Vielfalt, egal in welchen Sektoren, ist extrem wichtig. Leben mit anderen Kulturen, anderen Menschen - egal ob dick oder dünn, krank oder gesund - und die damit verbundenen Möglichkeiten, auch mal über den Tellerrand zu schauen und seine Scheuklappen abzulegen, sollte für jeden ein Geschenk sein. Wir können nur durch Vielfalt lernen."
Ihm ist es wichtig, mit seiner Geschichte diejenigen zu erreichen, die in einer ähnlichen Situation sind und ihnen zu zeigen, dass man sich als kleinwüchsige Person nicht verstecken muss. Sein Appell ist es, aus all den negativen Erfahrungen und Begegnungen das Nützliche herauszufiltern und aus ihnen zu wachsen.
„Für mich ist es wichtig, zu zeigen, dass man das tut, was einen erfüllt und glücklich macht. Vor allem wenn man offensichtlich immer wieder mit diskriminierenden Konfrontationen zu tun hat. Liebe und lebe dein Leben so, dass es dich und deinen engeren Kreis glücklich macht. Ziehe aus negativen Erfahrungen und Situationen immer auch etwas Positives."
Danke, Robin, dass du dich zeigst, wie du bist und uns daran erinnerst, dass wahre Stärke darin liegt, sich selbst treu zu bleiben, auch wenn die Welt es einem manchmal schwer macht. <3
EXKURS: Kleinwüchsigkeit
Kleinwüchsigkeit ist ein Sammelbegriff für verschiedene Wachstumsstörungen, bei denen die Körpergröße deutlich unter dem Durchschnitt liegt. Sie kann durch hormonelle Ursachen, organische Erkrankungen oder - wie im Fall von Robin - durch genetische Veränderungen entstehen.
Weltweit leben viele Menschen mit unterschiedlichen Formen von Kleinwuchs. Jede Form ist individuell und nicht jede ist mit gesundheitlichen Einschränkungen verbunden. Kleinwüchsigkeit ist keine Krankheit, sondern eine körperliche Variation, die, wie viele andere äußere Merkmale, zur natürlichen Vielfalt der Menschen gehört.
Trotzdem stoßen kleinwüchsige Menschen im Alltag oft auf Barrieren: auf physische Hürden, gesellschaftliche Vorurteile und die ständige Reduzierung auf ihre Körpergröße. Dabei führen viele ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben, so wie Robin zeigt.
